Großartig.

Lange angekündigt, auf der IAA dann in ganzer Vielfalt präsentiert: das neue Volkswagen Brand Design.

Wie üblich bei einem umfassenden Relaunch, sind die Meinungen gespalten; Horizont-Leser voten etwa 50:50. Die eine Hälfte findet es super, die anderen meinen „geht gar nicht“.

Entscheidend ist, was das neue Design ausdrückt. Die Rückkehr zur 2D-Optik ist klar bescheidener als das Bling-Bling der 3D-Phase.

Bescheidenheit: Das scheint mir der größte Sprung im Mentatilätsgefüge der VW-Enscheiderebene zu sein. Angesichts des lädierten Image sicherlich die genau richtige Korrektur.

Das neue Logo
Das alte Logo

 

Zeitgeist

Natürlich hat auch der Zeitgeist geholfen; die 3D-Begeisterung ist einer Rückkehr zu einfachen Formen gewichen.

Diese Mainstream-Anlehnung darf man jedoch den Designern am wenigsten anlasten, da es offensichtlich auch die inhaltliche Vorgabe war, von der Massivität des alten Designs abzuweichen und wieder schlanker und klarer zu werden. („Die fetten Jahre sind vorbei.“ / Welt)

Was mich persönlich überrascht, ist der Mut der Gremien bei Volkswagen. Es kommt selten genug vor, dass Automobilhersteller ihr Image derartig in Richtung Bescheidenheit korrigieren. Angesichts gesellschaftlicher Veränderungen im Hinblick auf die Akzeptanz der Individual-Mobilität ist dieses Vorpreschen sicher richtig, aber dennoch hat es vermutlich einige Diskussionen gegeben.

Visualität schlägt Akustik.

Nicht ganz so stark wie die visuellen Elemente scheint mir das Soundlogo zu sein; es wirkt etwas austauschbar. (Das mag allerdings vor Roll Out noch an mangelder Gewöhnung liegen.)

Auch das gesprochene „Volkswagen“ klingt sehr bieder. Schön gesprochen, aber eben keine Aufladung in irgendeiner Richtung. (Womöglich wurde jede akustische Metaebene radiert, um „korrekt“ zu sein. Schade; hier hat der Mut gefehlt.)

Markenarchitektur

Vermutlich fällt es Außenstehenden gar nicht auf: Das Soundlogo mit dem gesprochenen „Volkswagen“ weicht inhaltlich vom visuellen Logo ab. Das heißt nicht Volkswagen, sondern VW.

Hier stellt sich die Frage, ob das taktische oder strategische Gründe hat. Falls man VW eingesetzt hätte, müsste man ja – je nach Sprache – unterschiedliche Soundlogos einsetzen: Wi Double-U gegenüber VauWeh. Das wäre ein pragmatisch-taktischer Grund.

Eine andere mögliche Ursache für die Differenz könnte die Markenarchitektur sein. Es gibt ja die problematische Übereinstimmung von Unternehmensmarke Volkswagen mit der Produktmarke VW. (Besser gelöst von der Daimler AG als Unternehmensmarke und Mercedes-Benz, Smart etc. als Produktmarken).

Möglicherweise soll die starke Produktmarke ja parallel die Unternehmensmarke stärken. Keine ideale Lösung; aber bevor man die ganze Struktur optimiert (und noch ganz andere Entscheiderebenen involvieren muss), ist diese Mix-Variante vielleicht die beste Lösung, zumal die Unsauberkeit nur Haarspaltern aus der Markenbranche auffällt.

Unterm Strich: Der beste Brand Relaunch seit langer Zeit.

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