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Kategorie: Nachgeschaut

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KI kann es nicht? Lexus-Spot made by AI

Lexus stellt uns den neuen ES mit einem Spot vor, der „komplett von KI“ entwickelt wurde (Horizont). Angesichts der Bemühungen kann man nur konstatieren: Da ist etwas schief gelaufen. Der Spot wirkt äußerst synthetisch und völlig emotionsfrei. Audio klappt gar nicht: Weder folgt sie einer stimmigen Synchronisation, noch hat sie auch nur den Anschein einer Harmonie. Das menschliche Element kommt erst gar nicht vor, auch nicht visuell. (Im Making of wird stolz darauf hingewiesen, dass auf den Gesichtsausdruck des Entwicklers besonderer Wert gelegt wurde:)

 

Leider bekommt der Betrachter nicht die Information, dass es sich um den Entwickler handeln soll. Absurd wird es, wenn der „Entwickler“ mit einer weiblichen Begleitung offensichtlich im heimischen Wohnzimmer „sein Werk“ auf dem Privat-TV betrachtet. Die Macher weisen darauf hin, sie hätten auf Basis besonders kreativer und erfolgreicher Automotive-Spots die KI programmiert. Da drängt sich der Eindruck auf, dass wohl eher der Wunsch der Vater des Gedankens war.

KI kann ganz viel mehr. Wer so etwas als KI-generierten Content verkaufen möchte, geht falsch mit den Möglichkeiten um oder kennt sie nicht.

Städteranking

Städteranking: Faszinierendste und langweiligste Stadt 2018

Stuttgart geht steil. Bonn trist.

Wie schon in 2016 hat die Lünstroth Markenberatung ein Ranking des Image der zwanzig größten deutschen Städte ermittelt. Datenbasis ist hierbei die veröffentlichte Meinung in verfügbaren Internet-Fundstellen.

Es fallen deutliche Verschiebungen gegenüber 2016 auf.

Stadtimage: Ranking 2016
Stadtranking 2016: Imagedimensionen faszinierend und langweilig
Städteranking
Stadtranking 2018: Imagedimensionen faszinierend und langweilig

Städte werden faszinierender.

Stuttgart hat mit seinen Faszinationswerten Frankfurt a. M. überholt; auch die Stadtmarke München hat deutlich zugelegt. Wuppertal hat eine Trendwende geschafft – war Wuppertal 2016 die einzige deutsche Stadt, deren Langeweile-Index höher war als ihre Faszination, ist dort zwischenzeitlich eine Normalisierung eingetreten.

Bonn polarisiert.

Einen extremen Sprung in Richtung Faszination haben auch Bremen, Dresden und Leipzig gemacht; offensichtlich waren die Städte und deren Marketingabteilungen in den letzten beiden Jahren nicht untätig. Bonn zeigt Auffälligkeiten in der Polarisierung – die Stadt zeigt stark überproportionale Werte bei Faszination und Langeweile. Das kann ein Zeichen für öffentlich ausgetragene Auseinandersetzungen um die Rolle und das Image der Stadt sein – Bonn steht im Fokus einer Debatte. Duisburg zeigt dagegen gänzlich andere Werte – die Stadt gibt weder Anlass zur Kritik noch zur Euphorie. Negativ ausgedrückt: An Duisburg scheint niemand besonderes Interesse zu haben.

gelebte Normalität

Im unauffälligen Bereich halten sich auch Städte wie Düsseldorf, Dortmund, Bochum und Bielefeld auf – Normalität mit begrenztem Mitteilungsbedürfnis der Einwohner und Besucher. Diese Städte täten gut daran – dem Employer Branding und der Touristik zuliebe – ein wenig mehr Attraktionen mit öffentlicher Relevanz zu schaffen, selbst wenn diese polarisieren könnten.

Stadtranking Images
Mediendatei-Print: zur Veröffentlichung freigegeben mit Vermerk Lünstroth Markenberatung – Notiz bei Veröffentlichung erbeten
Claims Unternehmensmarken

Deutschlands häufigster Claim 2017

Lünstroth hat die meistverwendeten Claims in Deutschland 2017 ermittelt. Es mag überraschen, dass einige Formulierungen 100.000fach verwendet werden. Schließlich sollten Claims ja die Positionierung eines Unternehmens und seiner Produkte möglichst griffig und vor allem alleinstellend auf den Punkt bringen. Der mit Abstand am häufigsten eingesetzte Slogan ist „Ihr Partner für …“. Warum ist diese Formulierung so beliebt?

„Partner“-Varianten

Die häufige Verwendung von Partner-Komponenten ist auf einen offensichtlich tief verwurzelten Traum von Lieferanten zurückzuführen: auf einer Ebene mit dem Kunden zu stehen
(In Hintergrundgesprächen hört man auch die Beteuerung, das Unternehmen agiere „auf Augenhöhe“ mit seinen Kunden.) In der Regel werden diese Claims von kleinen und mittleren Unternehmen eingesetzt (KMU), die in Ermangelung einer Positionierung ihre Zielgruppe nennen und mit dem Wunsch nach hierarchischer Gleichstellung verknüpfen.
So entsteht statt einer angebotsorientierten Auslobung wie „Müller Getränke“ eben „Müller | Partner der Gastronomie“.
Es ist bekannt, dass angebotsauslobende Slogans nicht ideal sind – „Müller Getränke“ ist noch keine Positionierung. Der Schwenk auf „Müller | Partner der Gastronomie“ macht die Sache jetzt allerdings noch schlimmer, denn nun steht zusätzlich zur Nicht-Positionierung auch noch die Anmaßung gegenüber den Kunden im Raum, auf gleicher Stufe zu stehen.

„Kompetenz“-Varianten

„Kompetenz“ war in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts ein Traumthema von Unternehmensberatungen, da der Begriff „Kompetenz“ zum einen neu war, zum anderen Insider-Wissen zum Ausdruck brachte und zudem noch für jeden Anbieter zutreffend sein konnte.

In der Folge schrieben sich zunächst größere Unternehmen, die diese Berater beauftragt hatten, „Kompetenz“ zu und in der Folge ebenso kleinere Unternehmen, die sich selbst die Kompetenz zuteilten. Die Inflation des Begriffs ist vermutlich auf seinen Zirkelcharakter zurück zu führen: Einem Unternehmen, das sich mit einem Fachgebiet beschäftigt, muss man zwangsläufig Kompetenz zuschreiben. Durch diese allgemeine Zuschreibbarkeit des Begriffs kann er zwangsläufig nicht positionierend wirken und Kompetenz-Claims sind untauglich für ihren eigentlichen Zweck.

„Innovation“ und „Tradition“

Im Gegensatz zu Partner- und Kompetenz-Slogans zeigt der Claim „Innovation aus Tradition“ die Problematik des Positionierungsproblems bei positiv besetzten Polaritäten. Es gibt viele Unternehmen, die auf eine lange Tradition zurück blicken können und diese Tradition zu Recht für ein wertvolles Marken-Asset halten. Es gibt jedoch einen Gegenpol zu diesem Traditionspositivum: Die Innovation, die vor etwa 20 Jahren von Beratungsunternehmen als unabdingbar für den nachhaltigen Erfolg von Unternehmen definiert wurde. (Die Notwendigkeit zur Innovation ist inzwischen von der Notwendigkeit der Disruption abgelöst worden. Vermutlich werden in Kürze Slogans mit Inhalten wie „Disruption aus Tradition“ entwickelt.)

Der Gedanke, beide positiv besetzten Begriffe (Tradition und Innovation) nun über die Formulierung „Innovation aus Tradition“ zu verknüpfen, ist daher naheliegend und grundsätzlich positionierungsfähig (z.B. gegenüber Unternehmen, die seit Jahrzehnten auf gleiche Art und Weise das identische Produkt herstellen). Diese Möglichkeit wird nun allerdings durch die zu häufige Verwendung des Claims vereitelt: Wenn viele tausend Unternehmen diesen Claim verwenden, ist er schlicht nicht mehr alleinstellend und damit selbst dann nicht mehr einsetzbar, wenn er richtig positionieren könnte.

Was sollten Entscheider tun, wenn ihr Unternehmen einen solchen Slogan einsetzt?

Das hängt von vielen Faktoren ab: In erster Linie vom Marktumfeld und von der Unternehmensstrategie. Falls das Unternehmen in einem umkämpften Markt engagiert ist und organisch wachsen will, sollte es eine Positionierung für sich (falls es eine Monomarke ist) und seine Produktsortimente (falls es ein House of Brands ist) definieren. Aus dieser Positionierung heraus sollte dann ein alleinstellender Slogan entwickelt werden.

Falls das Unternehmen in einem Nischenmarkt anbietet und relativ unbekannt ist, reicht in vielen Fällen die generische Produkt- oder Leistungsbezeichnung aus. Sie wirkt in jedem Fall souveräner als ein Slogan, den so viele andere haben. Falls das Unternehmen bekannt ist und in einem Nischenmarkt tätig ist, ist die Lösung sehr schlicht: Die Unternehmensmarke reicht aus; ein zu häufig eingesetzter Slogan ist kommunikativ schlechter als keiner.

Inzwischen liegt auch die Erhebung 2018 vor. Mit interessanten Ergebnissen.

Big Data Analyse

Deutschlands häufigster Claim 2018

Auffällig: Gegenüber 2017 vielfache Verwendung der häufigsten Slogans

Gegenüber der 2017er Erhebung hat sich auf den ersten Blick die Verwendung einiger Slogans potenziert. Es ist eher unwahrscheinlich, dass hinter diesem Phänomen ein plötzlicher Zuwachs an Positionierungsbewusstsein der Unternehmen steckt. Denn es sind gerade die austauschbaren Slogans, deren Fundstellen im Web exponentiell ansteigen.

Zwei Möglichkeiten bieten sich als Erklärung an: Entweder haben die Suchmaschinen (in diesem Fall: Google) wesentlich intensiver indiziert (oder die Tag-Indizierung angepasst) oder die Websites der Unternehmen sind einfacher (besser) von den Suchmaschinen zu finden.

Kleine und mittelständische Unternehmen setzen verstärkt auf SEO.

Da nicht alle der untersuchten Slogans die zunehmende Verwendung zeigen, muss die zweite Erklärung die richtige sein: Viele kleine und kleinere mittelständische Unternehmen haben im Verlauf der Erhebungen (2017 – 2018) die Sichtbarkeit ihrer Webseiten drastisch erhöht. Daher weisen die Suchmaschinen die erhöhte Trefferanzahl für die am häufigsten eingesetzten Slogans auf.

Was auf den ersten Blick wie eine gute Investition der KMU wirkt, führt auf den zweiten Blick zu Zweifeln an der nachhaltigen Wirkung der Maßnahmen. Denn wie soll ein Lead über ein gefundenes Suchwort zustandekommen, wenn diese Suchworte von Millionen anderen, konkurrienden Unternehmen eingesetzt und gleichrangig gefunden werden? Ganz offensichtlich haben die Unternehmen es versäumt, vor der Weboptimierung strategische Überlegungen zu ihrer Positionierung und idealen Zielgruppen-Ansprache anzustellen.

Gefunden werden. Aber mit den richtigen Begriffen.

Das ist schade, denn nun sind ihre Webseiten zwar besser sichtbar, aber niemand wird sie mit den „richtigen“ Suchworten und mit der Hervorhebung ihrer Kernkompetenz finden. Der Schaden wir für lokal orientierte Anbieter wie z.B. den Einzelhandel nicht groß sein, denn dort spielen die Geodaten und ihrer Lokalisierung eine entscheidende Rolle für die angebotenen Suchergebnisse.

Exportorientierte Unternehmen mit weltweit gestreuten Zielgruppen sollten dagegen darüber nachdenken, ob eine strategische Überarbeitung der Kommunikationsmaßnahmen und ihrer Implementierung nicht nur im Web, sondern auch im Bereich der Social Media Netzwerke sinnvoll wäre.